2. Alter und Namen des Dorfes.

Die Häuser und Anwesen des Dorfes Schweinheim waren bis zum Jahre 1908, wie dies bei andern Dörfern auch der Fall ist, mit fortlaufenden Nummern bezeichnet. Diese Zählung begann in Unterschweinheim bei jenem Mühlanwesen, das seit 1904 zur Stadt Aschaffenburg eingemeindet ist, jenseits des Miltenberger Bahndamms liegt und die unterste Ansiedlung an dem in den Main einmündenden Hainsbach bildet. Von dort Nr. 1 führte die Zählung talaufwärts. Das war nicht Folge des Zufalles oder der Willkür, sondern Ausfluss der geschichtlichen Entwicklung des Dorfes. Dort am unteren Teile des Hainsbaches lagen zerstreut die Anfänge und die ursprünglich größere Zahl der ersten Ansiedlungen, d.h. einige Mühlen und Bauernhuben. „Die Schweinheimer Gerechtsame welche ihrem Hauptinhalte nach entnommen sind den Jurisdiktionalbüchern des Kurfürsten Daniel (1576—1589), sprechen von 5 Mühlen, welche von alters her zum Dorfe gehörten, von welchen aber eine um jene Zeit zerfallen war, die andere des Neuaufbauens bedurfte. So viele Mühlen sind es heute noch. Nur eine davon liegt im heutigen Hauptteile des Dorfes, die sogen. Dorfmühle. Das ihr angrenzende Bauern-Anwesen, Nr. 14 der Mühlgasse, ist zweifellos jenes Hofgut in OberHain (in superiore indagine), welches das Frauen-Kloster Schmerlenbach im Jahre 1308 von den Erben des Johannes Bedelo, Bürgers in Aschaffenburg, von dessen Kindern und Tochtermann Cunradus delapide kaufte um den vierten Teil des Zehnten in superiore indagine, wodurch das Kloster allen Zehnten in Ober- und Unterhain nördlich des Hainsbaches gewann. Im oberen Schweinheim (Oberhain) ist nur ein Anwesen von alters her als Hofgut bekannt. Nr. 14 der Mühlgasse, dessen Besitzer heute noch Hofbauer benannt wird. Überdies hießen die Äcker, welche in südöstlicher Richtung in Anschluss an dieses ehemalige Hofgut hinziehen, heute noch „Nonnenäcker“. Sie waren ehedem mit Weinreben bepflanzt.
Die vier übrigen Mühlen einschließlich jener, die seit 1904 zur Stadt eingemeindet ist, liegen am unteren Lauf des Hainsbaches. Als alte Bauernhuben allda dürften in Betracht kommen Nr. 6 und 14 der heutigen Unterhainstraße. Die Dümpelsmühle wird zwar schon im Jahre 1610 als Mühle „uff dem Schafdümpel“ genannt, hat aber kaum das Alter der erwähnten Mühlen, lag überdies jenseits der Grenzen, d.h. des Dörrngrabens, kommt also ebenso wenig in Betracht als die zwischen Dümpels- und Dorfmühle liegende Aumühle, welche erst 1806 erbaut wurde.
Der Umstand nun, dass im Laufe der späteren Jahrhunderte die Niederlassungen am östlichen Beginne des Hainsbaches, also in der Umgebung der heutigen Dorfmühle, sich mehrten, während dieselben im Westen heute noch wenige sind, war die Ursache, warum von dort ab die Dorfteile zu einander in ein umgekehrtes Verhältnis traten, oder nunmehr der Hauptteil im Osten, der kleinere Teil dagegen im Westen liegt. Das Bewusstsein dieser geschichtlichen Tatsache lebt heute noch im Volke fort. Die Ursprünglichkeit bleibt aber auch niedergelegt in der Abgrenzung der Dorfmarkung, welche in der Hauptsache im Süden von Unterschweinheim bis fast vor Obernau hingestreckt ist. Der östliche Teil der Dorfmarkung bis über Gailbach hinaus kam erst in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zu Schweinheim als Gebiet des seit jener Zeit zerstörten und ausgestorbenen, zwischen Gailbach und Sulzbach gelegenen Dorfes Reichenbach, dessen letzte Bewohner nach Schweinheim zogen und allda Aufnahme fanden.