Es fragt sich nun, warum „Schwein“hain? Urkundliche Antwort auf diese Frage kann nicht gegeben werden. Professor Dr. Kittel (Aschaffenburg) meint, es müsse wohl auf dem Gebiete dieses Haines um jene oder frühere Zeit ein Wildschweinpark des Kurfürsten von Mainz bestanden haben. Der Grund und Boden allda gehörte ursprünglich dem Kurfürsten, was schon der Umstand beweist, dass am 20. Juni 1226 der Erzbischof Siegfried von Mainz den Klosterfrauen in Schmerlenbach 12 Äcker im Felde Marchia und 2 Morgen Weinberg auf dem Bischberge (beides Schweinheimer Markung) zu Geschenk machte und andere Teile zu Lehen gab. Die Schweinheimer waren überdies Kammerbauern des Kurfürsten, wie es auch oft bei Wildparken in den Forsten des Kaisers, z.B. Dreieichenhain und Büdinger Wald der Fall war. Also klingt die Ansicht Dr. Kittels nicht so grundlos. Sie wird noch beleuchtet durch folgende Tatsache. Auf dem vom Schlossbaumeister Georg Riedinger im Jahre 1612 entworfenen Bilde des neuen Schlosses in Aschaffenburg finden wir außerhalb des Fischertores und -Turmes, also gegen oder schon auf Schweinheimer Gebiet eine Hütte mit Strohdach, neben welcher die Worte stehen: „Saw Stadel“. Dort wurde doch wohl ähnlich, wie heute im königlichen Park bei Rohrbrunn im Spessart, auf kurfürstliche Weisung Futter für die Sawen aufbewahrt; also muß auch wohl in kleinerer oder größerer Entfernung ein freier oder umzäunter Futterplatz für Sawen bestanden haben, der dem angrenzenden Dorfe Hain seinen näher bestimmten Namen gab. Ohne diese reale Unterlage ist der Ursprung des Namens Schweinhain unerklärlich. Die Ansicht, welche hin und wieder ausgesprochen wird, dass die bis in die Neuzeit bestandene und teilweise noch bestehende Unreinlichkeit der Ortsstraßen und Wege auf die Entstehung des Ortsnamens Einfluss gehabt habe, ist und bleibt ein Scherz, über den man lachen kann zur Schande der Einwohner und namentlich derer, welche an der Spitze standen und Pflicht und Macht hatten, längst Abhilfe zu schaffen.

Außer den Gebieten der heutigen Orte Schweinheim und Obernau trugen aber vor alters auch noch andere Niederlassungen in der Nähe der Stadt Aschaffenburg und zwar in fortlaufend östlicher Richtung den Namen Hain. Hagen, indago, nämlich das Kloster Schmerlenbach und das Dorf Hain bei Laufach. Zur Vermeidung von Verwechselungen und zur besseren Fixierung der Orte wurde damals schon im elfteren Fall die Ansiedlung, wenn auch aus noch anderen Gründen, umgetauft und im andern Fall näher bezeichnet. Das im Jahre 1219 durch Gottfried vom Kugelnberg begründete Frauenkloster Sanctae Mariae in Hagen hat seit 1240 schon den Namen Schmerlenbach angenommen und wird fortan in allen Urkunden so benannt, während das noch weiter östlich liegende Dörfchen Hain in den Spitalrechnungen, wo unser Hain gleichfalls und regelmäßig aufgeführt ist, beharrlich Laufacher Hain benannt ist. Die erwähnten Vorsichtsmaßregeln seiner Zeit konnten nicht verhindern, dass oberflächliche Geschichts- und Urkundenforscher späterer Zeit sich Verwechselungen zu Schulden kommen ließen, die merkwürdige Behauptungen im Gefolge hatten. Eine hievon, die mit unserer Ortsgeschichte zusammenhängt und zum Teil noch in den Köpfen mancher Ortseinwohner spukt, sei hier erwähnt.
 
Der Geschichtsforscher J. Conrad Dahl, welcher im Jahre 1818 eine Geschichte der Stadt Aschaffenburg, des vormaligen Klosters Schmerlenbach und des Spessarts schrieb, behauptete in diesem Werke, der Ort Hagen, Hain, indago, besser gesagt: die Markung des heutigen Schweinheim habe um die Zeit der Begründung (1219) des Frauenklosters Schmerlenbach bis an das Sandtor und die Mauern der Stadt Aschaffenburg gereicht und sei dort das neubegründete Kloster samt Kirche gestanden; die Kirchenruine im ehemal. kurfürstlichen Tiergarten und heutigen Schöntal, welche der Volksmund als Ruinen eines Nonnenklosters bezeichnet, seien die Überreste des Klosters und der Kirche; die bald eingetretene Sittenlosigkeit der Klosterfrauen habe jedoch die Entfernung von dort schon 20 Jahre nach der Begründung des Klosters notwendig gemacht und sei deshalb die Verlegung des Klosters und der Kirche nach Schmerlenbach erfolgt. Nur Mangel einer genauen und kritischen Untersuchung der betreffenden Urkunde konnte eine solche grundlose Verdächtigung wehrloser Klosterfrauen und eine solche geschichtswidrige Behauptung zeitigen. Bedauernswert ist es, dass ein gewisser S.J. Jandebeur im Jahre 1858 dieselben Ungeheuerlichkeiten in einem Schriftchen wiederholte, das den Titel führt: „Die vorhinnigen Frauen-Klöster in Hagen und Schmerlenbach bei Aschaffenburg“. Der k. Professor und Rektor an der Gewerbeschule zu Aschaffenburg Dr. Kittel hat 1858 in einer Abhandlung über alle diese einschläglichen Fragen die unrichtigen Behauptungen Dahls und Jandebeurs widerlegt und bewiesen, dass das Frauenkloster mit Kirche vom Anfang an dorthin gebaut worden, wo es noch steht, dass es aber bei seiner Begründung Hagen hieß und seit 1240, also zwanzig Jahre später, in Schmerlenbach umgetauft wurde. — Mit diesem Beweise entfallen auch alle andern unrichtigen Behauptungen, insbesondere auch diejenigen, welche an unser Hain, Hagen oder jetziges Schweinheim geknüpft waren. Wahr ist, dass das Frauenkloster Schmerlenbach schon im Jahre 1226 vom Erzbischof Siegfried II. in der Schweinheimer (Unterhainer) Markung 12 Acker Feld und 2 Morgen Weinberg auf dem Bischberg zu Geschenk erhielt; wahr ist, dass dasselbe Frauenkloster im Jahre 1286 ein Hofgut vom Ritter Johannes Bedelo, Bürger in Aschaffenburg, ebenfalls in Hagen (in indagine) gelegen, erwarb; ferner 1308 von den Erben desselben Ritters ein Hofgut in Oberhain und vorher 1298 die Ottenmühle (nun Eichmühle) erkaufte, später auch noch einen guten Teil des Zehntes inne hatte; allein derartiges Eigentum besaß das Kloster auch andern Orts. Niemals aber stand dieses oder ein anderes Kloster samt Kirche auf dem Gebiete von Schweinheim.