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Auflösung September-Rätsel

"Wer kennt unsere Schweinheimer Heimat ?"

September-Rätsel

Der Konstrukteur und Bauer dieses kleinen Flitzers war der Schweinheimer Fahrradhändler Heinz Hirsch. Zur damaligen Zeit befand sich sein Fahrradgeschäft im elterlichen Haus der Schmiede Hirsch auf der Rosengassenseite. Neben den Fahrrädern vertrieb Heinz Hirsch auch Mopeds der Marke Rex. Ein solcher Mopedmotor trieb diesen Kleinstwagen an. In der Regel stand es im Laden und konnte vom Schaufenster aus besichtigt werden. Das Foto entstand in den 50er Jahren vor dem Wohnhaus auf dem Exerzierplatz, in dem die Familie Sdrenka damals wohnte. Viele Schweinheimer trafen sich zu dieser Zeit sonntags bei Berthold Sdrenka zum Frühschoppen. Auf dem Bild ist seine Tochter Gisela zu sehen.

Per Los wurde Frau Hilde S. aus Schweinheim ermittelt. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern, das nächste Heimaträtsel folgt demnächst.

Als 1933 in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurden in Aschaffenburg 707 Einwohner „jüdischer Abstammung gezählt. Das waren knapp zwei Prozent der hiesigen Gesamtbevölkerung. In den Jahren 1933 bis 1942 verringerte sich jedoch die Zahl der jüdischen Mitbürger in Aschaffenburg ständig, weil viele Juden entweder durch Umzug in die Anonymität einer deutschen Großstadt oder durch Auswanderung versuchten, der immer
stärker werdenden Repression und Verfolgung zu entkommen. Mitte April 1942 lebten in Aschaffenburg in sogenannten „Judenhäusern“ nur noch 193 Juden. Durch Deportationen im April und September 1942 sowie 7 Selbstmorde wurde die jüdische Gemeinde in Aschaffenburg dann vollständig ausgelöscht.
 
Judenfriedhof - Grabstein der durch Freitod vor Deportation
Grabstein der sieben durch Freitod vor der Deportation aus dem Leben geschiedenen Aschaffenburger Juden (Foto Theo Schadler)
 
In der „Reichskristallnacht“ am 9. und 10. November 1938,– dem vorläufigen Höhepunkt der Übergriffe auf die Juden im Deutschen Reich - ging auch die Aschaffenburger Synagoge durch SA-Leute in Flammen auf. Der Getreidehändler Alfons Vogel wurde von einer SS-Meute aus dem Bett geholt, an einen Baum gestellt und durch Schüsse tödlich verletzt. Der Pferdehändler Ludwig Löwenthal überlebte nur knapp einen Mordanschlag. Die Jüdische Gemeinde musste auch nach der Reichspogromnacht die schrittweise Auslöschung ihres öffentlichen Lebens gemäß der Verordnungsflut der „Nürnberger Gesetze“ selbst organisieren – bis hin zur Deportation ihrer Mitglieder in die Vernichtungslager. Allein am 23. April 1942 wurden 128 Aschaffenburger Männer, Frauen und Kinder auf die todbringende Reise gen Osten geschickt. Wohl auf Initiative des 72-jährigen Bankdirektors Otto Wolfsthal, der als angesehener Wohltäter jahrzehntelang für die Bürger Aschaffenburgs tätig gewesen war und mehrere soziale Stiftungen gegründet hatte, entschlossen sich sieben befreundete und teilweise verwandte Juden, der wahrscheinlichen Ermordung in einem Vernichtungslager durch einen gemeinschaftlichen Freitod zuvorzukommen. Es handelte sich neben dem Ehepaar Otto und Maria Hedwig Wolfsthal (63 Jahre alt) um die ebenfalls in der Herstallstraße 39 wohnende 78-jährige Babette Dilsheimer, um den 67-jährigen Kaufmann Max Levy, um die 66-jährige ledige Ida Hamburger und die ebenfalls 66-jährige Hausgehilfin Lina Isaac, die alle drei in der Steingasse 5 wohnten, sowie die 77-jährige Kaufmannswitwe Emma Trier aus der Ohmbachsgasse. Alle sieben zum Selbstmord Entschlossenen hatten erlebt, wie aus ihrem unmittelbaren Umkreis Freunde und Verwandte kurz zuvor deportiert worden waren und man kein Lebenszeichen mehr von ihnen erhalten hatte. Am 7. Sept. 1942, zwei Tage vor der befohlenen Deportation nach Theresienstadt, begingen die 7 Aschaffenburger gemeinschaftlich Selbstmord mit Hilfe des Schlafmittels Veronal. Fünf von ihnen starben noch am selben Tag, Otto Wolfsthal am 8. September und Emma Trier als letzte am September 1942. Damit die festgelegte Zahl der „Evakuierten“ jedoch gleich blieb, bestimmte die Würzburger Gestapo noch am 7. September eine entsprechende Anzahl Würzburger Jüdinnen, die an die Stelle der durch Freitod ausgeschiedenen Aschaffenburger zu treten hatten.
Das Ehepaar Wolfsthal – im Gegensatz zu den übrigen fünf aus dem Leben geschiedenen - das hoch über der Stadt auf dem Erbig begraben sein wollte - äußerte in einem Antrag an die Stadt als letzten Wunsch die Beisetzung auf dem Altstadtfriedhof. Doch diese Bitte, nicht auf dem Judenfriedhof am Erbig, sondern auf dem Altstadtfriedhof am Güterberg beigesetzt zu werden, erfüllte ihnen der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Wohlgemuth nicht. Die Stadt Aschaffenburg hat zum Gedenken an ihre durch Freitod aus dem Leben geschiedenen Mitbürger auf dem jüdischen Friedhof am Erbig einen gemeinsamen Grabstein setzen lassen.